Warum Leinwand?

Warum Leinwand?

Leinwand, Alu-Dibond oder Acrylglas oder etwas ganz anderes?

Mit dem schier unendlichen Angebot an Materialien, von einfachem Papier bis Plattendirektdruck ist heute alles möglich, warum also Leinwand?

Dieser Frage bin ich nachgegangen und ich kann hier nur meine Subjektive Meinung wieder geben, im besten Fall hilft dieser Artikel aber Interessenten, Sammlern und Kunstinteressierten bessere Entscheidungen zu treffen. Jemand der sein Komplettes Haus mit Acrylglas/Dibond Bildern bestückt hat, werde ich sicherlich nicht erreichen, aber diejenigen die "Accidential collector" geworden sind oder überlegen eine Sammlung aufzubauen, kann ich vielleicht über die Vorzüge informieren.

Die Wahl des richtigen Materials ist oftmals ein Kompromiss zwischen dem was der Künstler als gut genug empfindet um seine Werke bestmöglich zu repräsentieren und dem was der Sammler bereit ist zu bezahlen. Dabei ist es völlig unerheblich ob es sich dabei um analoge Gemälde, Fotografien oder Digitaldrucke handelt; Geschmack und Repräsentation sollten die Hauptbeweggründe sein ein Werk auf einem speziellen Medium zu fixieren.

Kurz etwas zur Geschichte:
Die Leinwand ist als Maluntergrund seit dem 15. / 16. Jahrhundert bekannt, die Verbreitung von gewebten Tüchern fand Anfang des 15. Jahrhunderts großen Anklang bei Künstlern, da die Gewichtsersparnis im Vergleich zu Holz enorm war und man größere Werke malen konnte als das mit Holz möglich gewesen wäre.

Auch wenn in der Geschichte der Kunst die Leinwand noch recht jung ist, so ist die Haltbarkeit mit über 500 Jahren bisher nur vom Pergament und Steintafeln, bzw. der Bildhauerei in Marmor übertroffen worden und somit Beweis für ein sehr langlebiges Produkt. Diese Haltbarkeitstest müssen jüngere Materialien wie Acrylglas oder Blechschilder erst noch bestehen. Dabei geht es auch eher weniger um die Farben, diese sind oftmals die gleichen pigmentierten Tinten wie beim Leinwand-Digitaldruck oder dem Sogenannten Giclée Druck auf Papier, der im Grunde das selbe meint wie hochwertiger Digitaldruck.

Da ich selbst Großformate drucke, habe ich was Materialien angeht und durch meine Ausbildung zum Farbenverteilungstechniker ein bißchen Erfahrung. Im folgenden daher meine persönliche Meinung zu den wichtigsten Medien sowie Pro und Kontra dazu.
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Acrylglas Bilder 


Quelle: Testbericht hier

Pro: 

- Super satte Farben und Tiefe
- 3D Wirkung durch Physikalische tiefe, je nach dicke vom Glas
- Wasserabweisend / Gut für Nassräume / Schwimmbäder etc.

Kontra:

- Kann sich bei starker Hitze und direkter Sonneneinwirkung verbiegen
- Satte Aufpreise bei Verstärkung durch Alu-Dibond
- Aufhängung kostet meistens Extra
- Oberfläche sehr empfindlich
- Bedingte oder fragliche Haltbarkeit

Fazit:

Ohne Dibond ist die Rückseite empfindlich für Kratzer welche die Farbe entfernen können. Bei qualitativ schlechten Produkten kann man die Farbe bisweilen mit dem Fingernagel herunter kratzen. Wie sollte die Farbe auch perfekt halten können? Die Applikation von Farben auf Kunststoff bedarf üblicherweise des anrauen und grundierens der Oberfläche damit irgendetwas darauf hält. Darum ist die Sandwich - Variante, also "Vorne Acrylglas und hinten Alu-Dibond" der beste Kompromiss, aber auch dort gilt zu bedenken das die Farbe mittels Kleber und somit Lösungsmittel zusammengehalten werden. Auf Dauer eine ungünstige Konstellation, da die Lösungsmittel entweder die Lösungsmittel der Farbe oder das Acrylglas zersetzen oder sogar beides. Dieser Prozess wird durch UV-Einwirkung sogar noch beschleunigt. Und wenn jemand wirbt das alles Lösungsmittelfrei ist, können durch UV Einwirkung dennoch Weichmacher im Acrylglas freigesetzt werden und welche Auswirkungen die auf die dahinter liegenden Farben haben, möchte ich mir gar nicht ausdenken.

Auf der Vorderseite der Glasoberfläche sieht es bisweilen nicht besser aus, beim Transport können viele einfache Berührungen oder "verrutschen" zu sichtbaren Kratzern führen. 
Klar ist normalerweise eine Folie angebracht die das verhindern soll, aber wer hat die beim Umzug dann eben Griffbereit?

Staub wedeln ist nicht. Mit feuchtem Tuch darf lediglich gereinigt werden, dies führt häufig zu sichtbaren Schlieren.
Mein Acrylglas Tipp: Zur streifenfreien Reinigung gehen als alternative Brillenputztücher. Man muß natürlich zügig sein je nach Größe benötigt man auch gerne mal mehrere Tücher welche aber günstig sind und man darf nicht zu fest aufdrücken. 
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Bilderdrucke auf Papier

Quelle: Rauch - Hahnemühle Museum Etching Deckle Edge

Pro:

- günstig ( je nachdem)
- Vielseitig
- Sehr viele Veredelungsmöglichkeiten
- Bedingt haltbar
- Vielseite Gestaltung und Präsentationsmöglichkeiten
- Gute Archivierbarkeit
- Platzsparend

Kontra:

- Je nach Grammatur - Knickempfindlich
- Höhere Kosten durch evtl. spätere und individuelle Rahmung
- Unendlich viel Auswahl

Fazit:

Papier ist sehr Vielseitig und Günstig bei gleichbleibend hohen Qualitätsansprüchen. In der heutigen zeit muss man sich um Vergilbung kaum noch Gedanken machen außer man raucht - und bei Hochwertigen drucken verblassen die Farben auch nicht. Dementsprechend ist die Liste der Nachteile sehr gering. Und obwohl die große Auswahl eigentlich ein positives Kriterium ist, habe ich es auf die Liste der Nachteile gesetzt und zwar aus gutem Grund: Wer sich einmal damit auseinandergesetzt hat, online ein schönes Foto bei Whitewall, Pixum oder anderen Fotoanbietern zu bestellen, weiß wovon ich spreche und diese Seiten bieten schon nur einen gewissen Prozentsatz der Materialien an, die tatsächlich verfügbar sind. 

Jedes Papier, ob Matt, ob Glänzend, Schwer, dünn oder Gestrichen hat seine eigenen Vor-und Nachteile. Für den Endverbraucher sind diese Nachteile augenscheinlich gering, aber sie Wirken sich auf den Preis aus. Die Techniken mit denen die Bilder-drucke erstellt werden unterscheiden sich fast nur noch bei den Fotoabzügen und bei den gedruckten durch Offset und Digitaldruck, mehr ist da aber auch nicht wirklich was man wissen müsste. Aber wer kann sich wirklich etwas darunter vorstellen wenn da steht 150 g/m²? Ich habe doch nur 30x40cm, ist das denn jetzt leichter oder genauso schwer oder was? Hinzu kommen Begriffe wie Fotopapier, Fine-Art Papiere, Giclée oder gestrichenes Papier, von Proofing papieren und FSC-Zertifizierungen will ich hier nun gar nicht erst anfangen. Was bleibt ist das Vertrauen, das es schon das richtige für das jeweilige Produkt ist was mir dort angeboten wird. 

Die Haltbarkeit bei Papier liegt ebenso wie bei Fotopapier, bei guter Pflege um die 20-30 Jahre. Bei Giclée drucken auf hochwertigen Papieren z.B. Hahnemühle welches noch mit UV-Schutzlack versehen wird, kann die Haltbarkeit durchaus das doppelte wenn nicht sogar das dreifache betragen, womit diese Drucke den Leinwanddrucken gleich gestellt sind. Das macht sich jedoch schon beim Einkaufspreis vom Papier bemerkbar und ist demnach nur noch ein Kriterium des persönlichen Geschmacks.

Mein Tipp: Ich persönlich finde ein Seidenglänzendes oder Mattes Papier mit ca 160 -190 g/m² als sehr angenehm, es ist nicht zu dick, so das beim gerollten Versand nicht zu lange die Form behält und es ist stabil genug um nicht gleich zu knicken. Wenn man es auf Fotokarton Kaschiert ist es dem analogen Fotopapier ebenbürtig und durch den seidenglänzenden Charakter funktioniert es hinter Glas genauso gut wie ohne Rahmung. 
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Drucke auf Metall

Quelle: Kosmonaut

Pro:

- Haltbar je nach Produktionsart
- Sieht hochwertig aus
- Unenpfindlich

Kontra:

- Teuer
- Aufwändige Fertigung

Fazit:

Metalldrucke sind natürlich ein edler Blickfang und schon lange nicht mehr nur Domäne für Firmenschilder. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten von Metall-Prints: #1: Farbe auf Metall und #2: Farbe in Metall. Letzteres ist eine relativ neue Technik und nennt sich Untereloxaldruck, dort wird die Oberfläche von Aluminium angelaugt, Farbe aufgedruckt und mittels Oberflächen-polierung in das Material hineingetrieben. 

Die Üblichen oder verbreiteten Methoden sind die Vintage-schilder die man so findet oder was Displate mit ihrem patentierten System anbieten; Dort werden Blechschilder grundiert, Bedruckt und mit Klarlack versiegelt. Der Vorteil ist das deren Hängesystem eine einfaches wechseln der Platten nach Geschmack vereinfacht. Was die Haltbarkeit und Pflege angeht, so sind lackierte Oberflächen, besonders hochglänzende, immer sehr empfindlich. Jeder der eine Ikea Küche mit hochglänzenden Fronten hat, weiß wovon ich rede ;)

Jedenfalls ist die Haltbarkeit (von der Pflegebedürftigkeit abgesehen) sehr hoch, durch das Material sehr Stabil im vergleich zu Papier und platzsparender als Leinwand und Acrylglasdrucke. Alles in allem ein hochwertiges Produkt an dem man lange Freude haben kann. 

Mein Tipp: Wenn möglich matte oder Seidenglänzendes finish bevorzugen. Wenn dir die Farbtiefe wichtiger ist und satte Farben, dann Hochglanz wählen.
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Drucke auf Holz

Quelle: Clubhouse Collective

Pro:

- Haltbar
- Sehr individuell
- Ziemlich unempfindlich

Kontra:

- Eigentümliches Erscheinungsbild  je nach Produktion
- Schwer und teuer bei größeren Formaten
- Unhandlich bei Aufhängung und Transport

Fazit:

Auf Holz drucken ist nicht neu, erfährt momentan aber wieder einen gewissen Hype. Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten beim druck Farbe auf das Holz zu bringen. Bei sehr alten Flachbettdruckern sind die Sprühstärken bei den Piezo-Düsen so enorm das man sogar Vertiefungen von 5mm bis hin zu Wellblech-tiefe(!) bedrucken kann. Angeflammte und mit Säure behandelte Holzoberflächen sind somit ebenfalls kein Problem und das Ergebnis ist quasi ein Unikat - wenn denn das richtige Motiv auf dem richtigen Untergrund gedruckt wird. Bei den weniger starken Oberflächen mit Semi-transparenter Grundierung führt die Holzmaserung zu einem Unikatcharacter, aber dieser kann dem Bild zuträglich sein, muss es aber nicht. Da man das Ergebnis nur Schwer vorher sagen kann, ist es eher Glückssache ob ein Motiv mit dieser Technik gut aussieht oder nicht. 

Mein tipp: Solche experimentellen Techniken nur nach persönlicher Begutachtung und nicht blind im Internet kaufen, das Ergebnis kann stark von einer Beispiel-abbildung abweichen und die Freude über das Bild stark mindern.
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Leinwanddrucke

Quelle: Ars Fantasio Studio

Pro:

- Haltbar
- Sehr Individuell
- Unendlich viele Formate möglich
- Vielseitig kombinierbar
- Ziemlich unempfindlich
- Viele Veredelungsmöglichkeiten
- Gute Farbtiefe bei entsprechender Veredelung
- Leicht auszubessern
- komplett Demontierbar
- Sehr gute Archivierbarkeit
- Abgezogen platzsparende Lagerung möglich
- Wasserabweisend (Polyester z.B. und bei lackierter Rahmung)

Kontra:

- Unübersichtlicher Markt und Angebote
- Dementsprechend stark schwankende Qualitäten
- Ungerahmt sind die Kanten etwas empfindlich

Fazit:

Die Vorteile liegen auf der Hand, von individuellen Maßen über Multipanel Rahmungen bis hin zu unendlicher Kombinierbarkeit und dem geringen Gewicht. Nachteile sind bislang nur der schier unübersichtliche Markt und damit verbunden für den Endkunden so gut wie keine Möglichkeit nachzuvollziehen ob er oder sie ein Hochwertiges Produkt in Händen hält. Hinzu kommen noch starke Preisunterschiede bei Fotoanbietern um eigene Bilder drucken zu lassen, sowie den Preisen bei Künstlern oder Galerien. Bei kaum einem Medium wird man für den qm-Preis ein so unterschiedlicheres Ergebnis bekommen wenn man 5 verschiedene Anbieter vergleicht.

Grundsätzlich sollte man unterscheiden: Bestelle ich ein Leinwandbild von einem Urlaubsfoto oder ein Werk von einem Künstler. Beim ersten habe ich eine Firma die jeden Tag 100te Bestellungen bearbeitet und dementsprechend über Kapazitäten verfügt die eine Produktion rentabel macht. Bei letzterem kann der Preisunterschied von 100% - 5000% gegenüber dem "Urlaubsfoto" schwanken, entweder durch den Bekanntheitsgrad des Künstlers bedingt oder durch individuelle Anfertigungen oder Limitierungen. 

Dann gibt es noch den Massenmarkt, beispielsweise Ikea oder zahlreiche Anbieter die unlizensierte Bilder verkaufen und aus China direkt liefern. Solche Verkäufer haben natürlich Warendruck und unterbieten sich gegenseitig und vermutlich gibt es nur einen Zentralen Hersteller der sich am ende die Hände reibt.
Ich möchte auch Ikea oder Baumarktbilder nicht mit den chinesischen Plagiaten in Zusammenhang bringen, Ikea hat durchaus gute Qualität zu bieten, die Masse macht es eben.

Man muss also schon sehr genau aufpassen.

Bei den Ecken und Kanten der aufgezogenen Leinwände kann es schon mal zum abrieb der Farbe kommen, entweder durch einen Sturz oder beim Transport. Das ist nichts schlimmes und wertet das Produkt nicht ab da dies auch bei Traditionellen Acryl oder Ölgemälden auf Leinwand passieren kann. Im Gegensatz zu Acrylglasbildern oder Alu-Dibond kann man mit einfachen Mitteln Leinwandbilder schnell ausbessern. Meist so das man es gar nicht mal sieht.

Mein Leinwand Reparatur-Tipp ist daher; im stationären Bürobedarf oder bei Schulartikeln ein set günstiger Aquarellstifte zu kaufen (Gibt es auch bei Aldi manchmal günstig unter 10,-) mit einem feuchten Tuch die Stiftspitze mit der entsprechenden Farbe mit der man ausbessern möchte etwas anfeuchten und vorsichtig über die Stelle malen oder tupfen und Ggf. mit dem finger verwischen.

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